Freitag, 10. März 2017

Einsiedlerkrebs, frisch durchgegrillt

Seit es aus dem tiefen, dunklen Loch in meinem Inneren heraus geht, geht es dafür mit meiner Spannung so richtig ab. Ich meine so richtig. Meine Unterarme sehen aus wie Hackfleisch, jeden Tag Skills und Tavor. Gummiband, Zitronensaft, Eiswürfel, heiß duschen, irgendwie reicht das alles nicht, manchmal nicht mehr das schneiden. "Das soll endlich aufhören", heule ich. Bin doch kein Grillwürstchen, dem man dabei zuguckt, wie es durchgegrillt wird und aufplatzt und irgendwann verbrennt.

"Wenn ich nur einen Sinn dahinter sehen könnte", sage ich. Mehr Antrieb, dafür aber ständig diese elende Spannung... Wenn ich wüsste, das muss ich so und so oft durchhalten, und dann wäre endlich Ruhe, würde das ja alles Sinn machen, aber das scheint so eine endlose, quälende Dauerschleife zu sein, aus der ich nicht heraus finde.

Die Psychologin schaut mich an und sagt etwas, was mich irgendwie berührt.
Ich erinnere Sie an einen Einsiedlerkrebs, der lange hinter einer Schutzmauer gelebt hat, durch die weder die schlechten noch die guten Emotionen hindurchkamen (nichts mehr fühlen). Und jetzt sei ich gerade dabei, mir eine neue Behausung zu suchen, und dabei sei ich besonders verletzlich.

Und sie erzählt mir noch, dass sie die Einsiedlerkrebse in der freien Natur selbst schon beobachtet hat und dass sie beim Wechsel der Behausung sich immer die schönsten Schneckenhäuser ausgesucht haben. Sie wollten diese eigentlich sammeln, aber in den schönen Häusern hockten immer schon die Krebse drin. Ach, schön.

Ja, es sind schöne Worte, aber nun muss ich aber erst heraus finden, wie ich an dieses neue Häuschen komme. Und wie ich mich mit den alten Problemen darin neu einrichte, so dass es endlich passt.
Und wo kriege ich den langen Atem her, wer kann mir dabei adäquat helfen, und überhaupt weiß ich gar nichts mehr so richtig, was war besser, nichts fühlen, oder zu viel fühlen, zu viel Durchgewürfeltes, Unbekanntes, Ängstigendes, nicht greifbar, nicht "sichtbar", nur undifferenziert fühlbar, eine bedrohliche Gewitterwolke, die gerade jeden Tag ihre Blitze und Stürme über mich ausleert.

Bin gespannt wie das weiter geht. Seufz.

Kommentare:

  1. Es dauert und Du brauchst Geduld mit Dir, es wird - so blöd der Spruch auch ist, aber er ist nun mal wahr: denk dran Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

    Den Atem hast Du übrigens schon, überleg Dir in den Momenten, in denen Du denkst Du hast keinen mehr, was Du bis dahin schon alles geschafft hast, die ganzen kleinen Schritte, das XXXX als solches, Du schaffst noch viel mehr und irgendwann ist es für Dich im neuen Schneckenhaus genau richtig wie Du es Dir wünschst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auf den Punkt, wie immer :-D
      Danke für deine Worte Goldi!

      Löschen