Mittwoch, 8. Februar 2017

Der Bus wackelt

Wir sind auf dem Weg zum Abschlussessen einer "Mitrehabilitantin."

An der Ampel fragt E.: "Ist mit dem Bus alles in Ordnung? Der wackelt so."

"Ne, mit dem ist alles in Ordnung", meint Hr. B.

"Das ist Fr. Schneeweiß", sagt Fr. S. mit Blick auf meine heftig wippenden Beine. Ich muss Spannungen abbauen. Wackle sehr schnell auf und ab, bemüht lautlos.

Sie tröstet mich. "Sie haben ja gerade was genommen. Das wird besser."

Als wir auf das Essen warten, werde ich plötzlich so müde, dass ich im Sitzen halb einschlafe.

"Fr. Schneeeeweiss... Ist jemand da-haa? Das Essen kommt!"

Mir rutscht die Gabel auf dem Teller aus, der Salat rutscht auf´s Tischtuch. Rubble die Bescherung gereizt mit der Serviette sauber.. Bin irgendwie unkoordiniert. Kaum bin ich wieder wacher, werden die Beine wieder unruhig.

"Tavor-Party, was?", fragt B. mitfühlend.

Ich nicke lächelnd.

Im Krankenhaus hieß es damals: "Wenn's nicht geht, dann bleiben Sie hier und tun etwas anders, das Ihnen gut tut." In der Reha heißt es: "Wo ist das Problem? Dann würde ich sagen, Sie nehmen jetzt Tablette xy und gehen trotzdem mit. Wird ja dann bald besser."

Angekommen bin ich mit Cipralex (Antidepressiva)

Hinzu kam Zopiclon (Schlaftabletten)

Ibuprofen (Schmerzmittel)

Dann Tavor (zur Beruhigung)

Heute gab´s Abilify (Neuroleptikum) niedrig dosiert dazu. Und Melneurin. Auch zur Beruhigung.


Hoffentlich ende ich nicht als Medikamenten-Zombie, der sabbernd und grunzend durch die Gänge läuft. Aber vielleicht ist mir dann endlich mal alles wurscht, smile.

Kommentare:

  1. Meine Güte, gibt es dort, außer Tabletten, auch noch etwas anderes zu Essen? Das ist doch sehr viel auf einmal, was sie da so nehmen dürfen!!! Zu meiner heißen Zeit, habe ich 3 verschiedene Antidepressiva ausprobiert - aber alle nacheinander - das dritte war dann das Richtige für mich . Meine Ärztin war eine Professor Dr. Dr. und schon alt und sehr erfahren. Ich weiß, die wäre hell empört, wenn sie so ein Kuddelmuddel-Tablettenmischmasch an einer einzigen Patientin mit bekäme. Hoffentlich finden ihre Ärzte schnell das, was ihnen dauerhaft gut tut. Und manchesmal ist das beste, raus zu gehen in die Natur, Wald oder was in der Nähe ist. Und sich richtig müde zu laufen und auch mal richtig laut zu schreien, oder leise zu weinen. Es befreit so schön.
    Langer Rede kurzer Sinn - ich drücke sie feste und denke viel an sie.
    Ich weiß, wie kacke es in so einer Klinik sein kann und wie unendlich viel Kraft es kostet. Es ist auch sehr anstrengend, die Lebensgeschichten der Mitpatienten auszuhalten. Bleiben sie stark und bleiben sie bei sich und benutzen sie ihre Kraft für die Heilung, nicht zur Verdrängung. Lassen sie sich helfen beim durchwurschteln durch das Böse und genießen sie alles Gute tausendfach, das dabei entsteht. Sie sind eine Kriegerin und kämpfen für sich. Hach, jetzt stelle ich sie mir gerade wie Xena vor, in enger Lederkluft und mit blonden wilden Locken, das Schwert wild über dem Kopf schwingend und im Galopp auf dem schönsten Pferd. Sie kämpfen für ihr gutes Leben und das machen sie klasse.
    Alles Liebe
    Bettina

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    1. Liebe Bettina,
      vielen Dank, das hat mich sehr gefreut!
      Liebe Grüße
      Schneeweiss

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    2. So, jetzt hab' ich eine stabile Internetverbindung- jetzt endlich die längere Version- "was Anderes zu essen als Tabletten"- das trifft mein Gefühl momentan sehr gut! Mit den Nebenwirkungen habe ich ganz schön zu kämpfen. Das Abilify fühlt sich an, als würde ich wie eine leblose Marionette in den Seilen hängen und "jemand" zieht an ´mir. Wie ferngesteuert.
      Was tut man nicht alles...
      Laufen soll ich jeden Tag, mache es aber auch gerne, das geht so schön automatisch :-)
      Die wilden Locken treffen auf jeden Fall meine Frisur :-) Danke für Ihre Worte ♥

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