Freitag, 31. März 2017

Traurig

Der Arzt hat gemeint, ich würde von einem Aufenthalt auf einer speziellen Borderline-Station mit einer zeitweiligen Unterbrechung der Reha profitieren.
Gerade wegen der Anspannungszustände und der fehlenden Kraft, die immer weiter zu Neige geht.

Dass das aber so fix ging... Heute um acht kam der Anruf, dass um zehn die Aufnahme sei.

Fix die Tasche gepackt, fast umgefallen vor Müdigkeit.
Zimmer abschließen, mit einem Teammitglied zur Psychiatrie fahren.

B. sagte noch am Vorabend: "Nur, dass du es weißt, die haben gar keine Borderline-Station, die werfen da alles zusammen." Hä?

Über dem Memoboard hängt ein Schild mit der Aufschrift "Krisentherapiestation"- alles klar.

Einmal seelisch nackt machen (kenn ich ja schon)
Einmal halbnackt machen für's EKG
Einmal komplett nackt machen (zumindest bis auf die Unterwäsche) für die körperliche Untersuchung.

Durchleuchtet, erschöpft und überreizt gleite ich in den nächsten Spannungszustand ab. Ich bekomme Melperon, einen Chililutscher und 'ne brennende Wärmecreme auf die Hand.

Um neun soll ich schon die Schlaftablette nehmen, seufz. Kein stilles Fernsehschauen bis 22.30 Uhr mehr. Um 06.30 kommt dann der "Weckdienst".
Die Ergo geht den ganzen Vormittag. In der Reha gab es für mich ein deutlich reduziertes Programm. Wie das wohl wird, hab' echt Schiss, werde mich halt irgendwie durchkämpfen.

Ansonsten, das Personal ist bislang sehr nett, das Essen schmeckt gut, die Station sieht freundlich aus.

Kein Einzelzimmer mehr, jetzt Doppelbelegung. Wenigstens hockt sie schon den ganzen Tag draußen.

Interessant, ein männlicher Mitpatient stellt sich mir mit weiblichem Vornamen vor ("ich bin die L."). Überlege noch, ob er, sie, mich veräppeln will, aber dann sehe ich in diese hellen, "weiblichen" Augen und glaube verstanden zu haben. Find's interessant, falls das ernst gemeint war.

Im Mai bin ich schon ein ganzes Jahr in Kliniken und Reha unterwegs. Ich bin traurig über die dunkle Zeit, die schon so lange dauert, ich vermisse meine Tiere und meine gewohnte Umgebung und das Gefühl, mal wieder richtig abschalten zu dürfen, mal zwei Wochen am Stück zu fernsehen und zu schlafen, ohne dass jemand morgens an meinem Bett steht, ohne die ganze Zeit Leute um mich zu haben, auch mal ohne das nervige Abilify, von dem mir die Hände zittern.  Immerzu an sich arbeiten, stabil werden, Veränderungen umsetzen, das ist gut, aber es schröpft auf Dauer auch ganz schön.

Ich bin müde und erschöpft, aber wie immer: Kopf hoch. Kann nur besser werden. Hoffe ich.

Kommentare:

  1. Fühl Dich mal feste umarmt wenn Du es gerade gebrauchen kannst. Es wird, aber Du brauchst Deine Zeit :-*

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